4 Gründe…
….warum Harald Schmidt Oliver Pocher im Ersten behalten sollte.
Klar hat er sich auch ein paar (grobe) Patzer geleistet. Das mit der Soulsängering nach dem Auftritt mit Lady Bitch Ray war nicht gerade passend, aber dafür hat er ja auch den Anpfiff von Harald Schmidt vor laufenden Kameras kassiert. Verabschiedet wurde er mit dem Satz: “Oliver Pocher, beim nächsten mal hat er’s kapiert.”
Dennoch bin ich der Meinung dass die Sendung ‘Schmidt und Pocher’ ohne Oliver Pocher vor allem für jüngeres Publikum deutlich an Attrakivität verlieren würde. Warum?
- Oliver Pocher zähle ich zu der jüngeren Generation von Fernsehkomikern. Sämtliche seiner in etwa gleich alten oder etwas älteren Kollegen, wie etwa Stefan Raab, Mario Barth, Atze Schröder, Lady Bitch Ray etc.. sind doch an Plumpheit, Plattheit und geistlosem Witz kaum noch zu unterbieten (sollte man jedenfalls meinen). Oliver Pocher ist mit denen geistig und emotional auf einer Wellenlänge, macht sich aber auf sehr subtiler Art und Weise darüber lustig und nimmt sich so selbst nicht ernst. Das ist für mich ein sehr bezeichnendes Phänomen für diese Generation. Ich habe ihn mal auf Viva gesehen, als er noch weniger bekannt war, in der Sendung, ‘die 100 peinlichtsen Songs der 80 Jahre`, da hat er fast alles von Modern Talking über Nena, bis zu den den ganzen Boygroups und wie die geldscheffelnden Peinlichkeiten alle heißen auf so eine übertriebenen Art und Weise nachgeäfft, dass es schon wieder lustig war.
- Oliver Pocher ist ein Seismograph unserer geistlosen und eigentlich wirklich traurigen Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der Dj Ötzi und Mario Barth die bestbezahlten ‘Künstler’ sind, (‘Mc Donalds- Pizza Hut’ und `why do you eat the french fries?`- was haben wir gelacht…) . Wir brauchen ihn, um der älteren Generation, die noch Karl Valentin und Loriot lustig finden verständlich zu machen, was an diesen neueren ausschließlich konsumorientierten ‘Drunterhaltern’ lustig sein soll- eigentlich gar nichts-. Nur die Verarschung von denen finde ich lustig.
- Harald Schmidt ist der Altmeister des spitzen und sarkastischen Humors, ohne Zweifel. Und das macht er so gut und so geistvoll, wie kein Zweiter. Wir sollten nicht vergessen, dass er eine Erz katholische Erziehung hatte und eigentlich vom Beruf Organist ist. Aber er braucht einen Jungstar an seiner Seite, einen der auf der Höhe der Zeit ist und den alten Herrn verständlich mach, was an Verdummung in unserer ‘Generation doof’ so läuft und wie das einzuordnen ist. Wenn ich sagen wir mal, meine 80 jährige Oma in ein Stadion stecken würde, in der Mario Barth gerade auftritt und wo sich 700000 Menschen vor Lachen auf die Schenkel klopfen, sie würde die Welt nicht mehr verstehen, geschweige denn noch etwas daran komisch finden. Pocher ist ein Dolmetscher zwischen den Generationen und wenn seine Witze manchmal wirklich plump ausfallen, dann liegt das weniger daran, dass er selbst platt und ungebildet ist, das glaube ich zumindest, sondern eher daran, dass sein Sujet wirklich plump und gleistlos ist. Andere Komedians, wie etwa Mario Barth nehmen den Schwachsinn, den sie von sich geben wie es auf mich den Eindruck macht auch noch bierernst und was noch viel schlimmer ist, Sie nehmen Ihre Rolle als Alleindrunterhalter genauso bierernst, was das Ende jeder echten Komik ist.
- Diese Gratwanderung zwischen hochintelligentem spitzfindigem Humor a la Schmidt und einfach nur plumpen Quatsch kann Pocher aber nur an des Meisters Seite und dessen Maßstab entfalten. Weiterhin bei Viva, Pro7 oder RTL würde er genauso verkommen, wie seine ganzen Kollegen Raab, Barth, Schröder etc., die dafür stehen, dass sie nicht nur Geistlosigkeit produzieren und in die Welt setzen, sondern sich in dieser Rolle auch noch wichtig vorkommen.
Ich persönlich hatte sehr viele unterhaltsame Donnerstagabende mit ‘Schmidt und Pocher’ im Ersten und viele dieser geistlosen neuen ‘Zeichen unserer Zeit’ habe ich erst durch Pochers Parodie verstanden.
Ob es um Urigella, Mario Barth, Dieter Bohlen, Johannes B.Kerner, Lukas Podolski oder Oliver Kahn geht und für die ich mich im echten Leben auch nicht interessiere, -stets führt uns der Pocher vor Augen, wie geistlos unsere Nation der ‘Dichter und Denker’ eigentlich ist. Und das ist doch schon mal ein gar nicht schlechter Verdienst, oder?