Kinoempfehlung: "Das Kabinett des Dr. Parnassus"

Weswegen der Film “das Kabinett des Dr. Parnassus” sehenswert ist

Terry Gilliam dürfte ja den meisten von euch bekannt sein und es dürfe nicht schwer fallen, dem Macher von “Time Bandits“, “Brazil“, “Twelve Monkeys” und “König der Fischer” einen weiteren genialen Streich zuzutrauen.

In den Film “Das Kabinett der Dr. Parnassus” reist ein heruntergekommenes Wunderkabinett nur von Pferden gezogen Quer durch London, und versucht Passanten dazu zu animieren, durch Parnassus Wunderspiegel hindurchzutreten.

Hinter diesem Wunderspiegel erwartet den Zuseher, was und wie immer er auf sich selbst projiziert.

Ein halbstarker Partylöwe, der total besoffen aus der Disco gestolpert kommt, findet sich wieder in einem Tal voller Sch***e und in einem Meer von leeren Flaschen wieder. Und der Dame, die schon etwas in die Jahre gekommen ist, wird ewige Jugendlichkeit und Schönheit in Bildern suggeriert.

Dr. Parnassus=Gott?

Im laufe des Films erfahren wir auch, wer dieser mysteriöse Dr. Parnassus eigentlich ist. Davon abgesehen, dass er herumläuft, wie ein Penner, ist er wohl das Überbleibsel von unserem Messias.

Er hat mit dem Teufel,- hervorragend dargestellt von dem in vielerlei Hinsicht genialem Tom Waits-, einen Pakt geschlossen: Mindestens fünf Frauen müssen durch diesen Wunderspiegel hindurchtreten und sozusagen ‘geläutert’ werden. Erst dann könne er sich von ihm freikaufen. Andernfalls müsse er ihm seine Tochter nach ihrem 16 Geburtstag abtreten.

Terry Gilliams sagt selbst in einem Interview mit der Welt Online, dass der Film auch etwas Autobiografisches habe. Nicht ohne einen Hauch Melancholie stellt er fest, daß den meisten Menschen in unserer durch und durch technisierten und informierten Welt die Visonen und die Phantasie abhanden gekommen sind.

Und so fehlt denn auch dem Dr. Parnassus die Zuversicht, wie er denn die Wette mit dem Teufel gewinnen soll.

Der Tod spielt hinter wie vor der Kamera

Bis dann ein junger Mann in das Geschehen tritt, unter einer Brücke aufgebaumelt und heruntergeholt von Parnassus Tochter und dem Animateur.

Der junge Mann, dargestellt von Heath Ledger, -wir erinnern uns, Heath Ledger starb während den Dreharbeiten an Medikamenten, die er gegen Muskelschmerzen und Depressionen nahm- hat sein Gedächtnis verloren, und weiß auch nicht mehr, aus welchen Verhältnissen er kam, und welche Umstände ihn an den Strick gebracht haben.

So entschließt er sich, mit dem Kabinett mitzuziehen und bringt so neuen ‘Schwung in den Laden’.

Natürlich werde ich euch nicht verraten, wie der Film ausgeht, dazu müsst ihr schon selber ins Kino gehen.

Nur eines finde ich noch bemerkenswert: Während einer der Hauptdarsteller im wahren Leben tatsächlich starb, vollzieht sich im Film eine unerwartete Wendung. Sehr merkwürdige Analogien treten plötzlich zutage.

Und so kann man sich auf einiges an Selbstreflexion gefasst machen.

Und Heath Ledger hat so doch noch einen würdigen, wenn auch viel zu frühen Abgang gefunden.

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