Wie Sie sich vor dem gefährlichen Stoffwechselgift schützen
von Inga-Maria Richberg, Chefredakteurin von “Natur und Gesundheit”
Vergessen Sie Cholesterin – lassen Sie Ihren Homocysteinwert messen!” Ganz so unwichtig ist das Cholesterin als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zwar nicht. Aber diese Überschrift, die kürzlich in einer deutschen Illustrierten prangte, weist in die richtige Richtung: Homocystein, ein giftiges Zwischenprodukt des körpereigenen Eiweißstoffwechsels, ist ein noch viel zu wenig beachteter Risikofaktor für Arteriosklerose. Nach neuesten Erkenntnissen kann Homocystein auch Hirnstörungen und sogar Krebs begünstigen. Wir sagen Ihnen, ab welchen Werten Gefahr droht und wie Sie Ihr Risiko mit einer preiswerten Vitamin-Therapie sicher in den Griff bekommen.Gesunde Menschen haben gar kein Homocystein im Blut
Homocystein entsteht beim Abbau der Aminosäure Methionin, die wir v. a. mit Fleisch zu uns nehmen. Zwar handelt es sich beim Homocystein auch um eine Aminosäure, sie ist aber toxisch und schädigt die Zellen. Erst wenn sie mit Hilfe der Vitamine B6, B12 und Folsäure umgewandelt ist, kann der Körper auch sie als Eiweißbaustein verwenden. Normalerweise ist Homocystein nur in den Zellen vorhanden. Erst wenn zu viel davon anfällt, geben die Zellen das giftige Produkt ins Gewebe ab, um sich vor seinen toxischen Wirkungen zu schützen. Von dort aus gelangt Homocystein ins Blut und wird teilweise über den Urin ausgeschieden. Doch auf diesem langen Weg richtet es erhebliche Schäden an.
Das sind die teuflischen Wirkungen von Homocystein im Körper: Schädigung der Gefäßwände
* Verstärkung der Blutgerinnung
* Störung des Zellstoffwechsels
* Entmineralisierung der Knochen
* Schädigung der Erbinformation
Ursache für zu hohe Homocysteinwerte ist eine unzureichende Versorgung mit B-Vitaminen und Folsäure.
Schon bei geringen Homocysteinwerten wird es kritisch
Seit sich 1995 erstmals eine internationale Expertengruppe auf hohem wissenschaftlichen Niveau mit den gesundheitsschädlichen Wirkungen von Homocystein beschäftigt hat, sind zahlreiche groß angelegte Studien erschienen. Sie alle belegen, dass bereits ab Homocysteinwerten von 11 bis 15 µmol/l im Blut Gefäß- und andere Gesundheitsschäden drohen.
Zu den gefährlichen Folgen zu hoher Homocysteinwerte gehören:
* Thrombosebildung
* Beeinträchtigung der Hirndurchblutung
* Zerstörung von Nervenzellen
* Beschleunigung von Demenzerkrankungen inkl. Alzheimer-Krankheit
* Knochenschwund (Osteoporose)
Wie Professor Dr. Karl-Ludwig Resch aus Bad Elster auf der 4. Internationalen Konferenz über Homocystein im Sommer 2003 in Basel berichtete, steigt mit jeder Erhöhung des Homocysteinspiegels um 0,5 µmol/l die Gefahr für einen Herzinfarkt um das 2,5fache und für einen Schlaganfall sogar um das 5fache. Selbst geringe Homocysteinwerte im Blut erhöhen bereits das Herz-Kreislauf-Risiko. Der Forscher: “Bei Homocystein gibt es offenbar keinen unteren Grenzwert.”
Das bedeutet: Je niedriger Ihr Homocysteinwert, desto besser für Ihre Gesundheit.
Das sind die häufigsten Ursachen für zu hohe Homocysteinwerte
* Verringerte Aufnahme von Vitamin B12 im Dünndarm infolge von perniziöser Anämie, Magenoperationen oder Schwund der Magenschleimhaut (Atrophie)
* Einnahme von Medikamenten zur Pufferung der Magensäure (Antazida, Säureblocker)
* ernährungsbedingter B-Vitamin- und Folsäuremangel (strenge Vegetarier/Veganer)
* negative Wechselwirkungen zwischen Vitaminen und Medikamenten, z. B. Hemmung von Vitamin B6 durch Theophylline (Asthmamittel) oder Hemmung von Folsäure durch Epilepsiemittel (Antiepileptika)
* täglicher Alkoholkonsum
Alkohol und Homocystein – eine tückische Mixtur
Forscher der psychiatrischen Universitätsklinik in Erlangen entdeckten 2003, dass sich Alkohol und Homocystein offenbar gegenseitig in ihren schädlichen Wirkungen potenzieren. So hat der Abbau des gefährlichen Zellgifts Alkohol in der Leber absolute Vorfahrt. Während dieser Zeit kann die Leber aber weder vorhandene Homocysteinmoleküle abbauen noch die dafür notwendigen Enzyme bilden. Die Homocysteinwerte steigen. Da dieses Gift die Blut-Hirn-Schranke überwindet, kommt es zu unheilbaren Schäden an den empfindlichen Hirnzellen und auf Dauer gesehen zu einem vorzeitigen Gehirnabbau (Atrophie). Auf diese Weise beschleunigt Homocystein auch bereits bestehende Demenzerkrankungen einschließlich der Alzheimer-Krankheit. Nach den Ergebnissen der Forscher reicht schon der regelmäßige Konsum von 1 Glas Rotwein täglich.
B-Vitamine senken die Homocysteinwerte
Spätestens wenn Ihr Homocysteinwert 12 µmol/l Blut erreicht, sollten Sie etwas dagegen unternehmen. Bestehen bei Ihnen noch weitere Risikofaktoren, z. B. erhöhte LDL-Cholesterinwerte, Diabetes, Übergewicht, erhöhte Harnsäurewerte oder Rauchen, dann sinkt diese Grenze auf 10 µmol/l. Die Blutuntersuchung beim Arzt ist noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung und kostet Sie ca. 38 Euro.