“Von der Straße kann ich mir auch keine Revolution mehr erhoffen, der Mensch schafft das nicht. Wir sollten etwas anderes lostreten lassen, der Vulkan der Kunst möge ausbrechen.”
Jonathan Meese
Lesen Sie hier, ob da unserer Ansicht nach was dran ist.
Tja, was soll man dazu sagen? Also manchmal möchte man schon verzweifeln, wenn man sieht , was so alles unter dem Begriff ‘Kunst’ dem deutschen Steuerzahler untergejubelt wird. Der ehrlich arbeitende und Kunst als sein Lebensinhalt verstehende Künstler, der meist mit leeren Händen dasteht und um jedes Bisschen Aufmerksamkeit ringt, das Ihm von der Gesellschaft zugeteilt wird, kann über die Späße des Herrn Meese so überhaupt nicht lachen.
Der Adidasbohemian und Baselitzliebling Meese, der zukünftige Chef der Weltbank für den Kunst nichts als Teebeutelweitwurf ist, interessiert sich also für deutsche Geschichte, insbesondere für deutsche Literatur. Wie wär’s dann mit ein wenig Brecht:
Die Literatur wird durchforscht werden
1
Die auf die goldenen Stühle gesetzt sind zu schreiben
werden gefagt werden, nach denen, die
Ihnen die Röcke webten.
Nicht nach ihren erhabenen Gedanken
Werden ihre Bücher durchforscht werden, sondern
Irgendein beiläufiger Satz, eder schließen läßt
Auf die Eigenheit derer, die Röcke webten
Wird mit Interesse gelesen werden, denn hier mag es sich
um Züge
Der berühmten Ahnen handelnGanze Literaturen
In erlesenen Ausdrücken verfaßt
Werden durchforscht werden nach Anzeichen
Daß da auch Aufrührer gelebt haben, wo Unterdrückung war.
Flehentliche Anrufe überirdischer Wesen
Werden beweisen, dass da Irdische über Irdischen gesessen
sind.
Köstliche Musik der Worte wird nur berichten
Dass da für viele kein Essen war.
2
Aber in jener Zeit werden gepriesen werden
Die auf dem nackten Boden saßen zu schreiben
Die unter den Niedrigen saßen
Die bei den Kämpfern saßen.
Die von den Leiden der Niedrigen berichteten
Die von den Taten der Kämpfer berichteten
Kunstvoll. In der edlen Sprache
Vordem reserviert
Der Verherrlichung der Könige.Ihre Beschreibung der Mißstände und ihre Aufrufe
Werden noch den Daumenabdruck
Der Niedrigen tragen: Denn diesen
Wurden sie übermittelt, diese
Trugen sie weiter unter dem durchschwitzten Hemd
Durch die Kordone der Polizisten
Zu ihresgleichen.Ja, es wir eine Zeit geben, wo
Diese Klugen und Freundlichen
Zornigen und Hoffnungsvollen
Die auf dem nackten Boden saßen, zu schreiben
Die Umringt waren von Niedrigen und Kämpfern
Öffentlich gepriesen werden.
Die Tradtion des Hässlichen
…in der sich Herr Meese offenbar zu Hause fühlt, die Tradition, mit der der auch schon Baselitz groß Kasse gamacht hat, ach wie ist diese Tradition so schön einfach: Ich brauche nichts mehr zu können, Anatomie, Aktzeichnen, Farbenlehre, alles für die Katz, ich drücke einfach nur noch die Tube auf die Leinwand, und anschließend drehe ich mich gleich um, um zu gucken, ob da jemand ‘Booooaaaah’ schreit.
Der dieser Tradition verschriebene Meese, der offenbar Nietzsche und Wagner auswendig kennt und leibhaftig dabei war, als Hitler das deutsche Volk unter dem Brandenburger Tor ‘Heil’ schreien ließ, derselbe Meister Meese, der sich ja mit allem so gut auskennt, dass er uns zum 120sten mal auf der Bühne vorführen muß, wie der Hitlergruß geht; – brauchen wir ihn denn wirklich, damit er uns unsere Geschichte endlich mal verständlich erklärt?
Gelddiktatur=Kunstdiktatur
Und ich weiß gar nicht, warum er sich so ereifert, die ‘Diktatur der Kunst’ zu errichten. Schließlich haben wir diese schon, denn unsere Gelddiktatur, ist auch gleichzeitig unsere Kunstdiktatur. Ich weiß nicht wann genau der Schnitt zwischen Kunst und Kunstbetrieb vollzogen wurde, vielleicht war es Duchamp, mit seinem ersten Readymade, vielleicht aber auch schon viel früher. Jedenfalls scheint das zu Zeiten Albrecht Dürers etwa noch eins gewesen zu sein. Da wurde Kunst noch als das bewertet, als was sie ursprünglich erfunden wurde: Als Handwerk, das zur Kommunikation diente. Raffinesse, technisches Können, Ästhetik waren damals noch Maßstäbe. Während derartige Werte heutzutage völlig zum Teufel sind, hat sich der Spruch ‘Wes Brot ich ess, des Lied sich Sing’ aus dem Mittelalter unbeschadet und mit größerer Schlagkraft denn je in unsere Zeit herüber gerettet.
Und so singt denn auch unser ach so selbstlose Jonathan, der ja stets betont, dass es ja hier nicht um seine Person sondern um die ‘große Sache’ geht immer das gleiche Lied. Hätte Mutter Theresa nicht schon gelebt, er wäre mit Sicherheit der nächste Anwärter für beispiellose Aufopferung für andere. Um es mit Brecht zu sagen:“damit die Spiesser etwas Kühnes lesen.”(Dreigroschenoper).
Um welche ‘große Sache’ es hier geht?, fragen Sie jetzt vielleicht. Na um den den großen Kunstmarkt, dem Rummel in dem Meister Meese ja wirklich nur eine kleine Schachfigur, ein Spielball der Reichen ist, in dem Falle hat er ausnahmsweise einmal recht.
Auf jeden Fall halte ich die oben genannte Trennung von Kunst und Kunstbetrieb für die denkbar schlechteste Lösung. Denn wenn sich der Kunstbetrieb durch nichts mehr von saudämlichem Entertainment, sowie Castingsshows a la DSDS und Topmodel unterscheidet, wenn hier wie dort die Kernbotschaft nur noch die ‘schnelle Knete’ ist, welche Daseinsberechtigung hat dann Kunst überhaupt noch? Wäre es dann nicht besser, im Zuge der Rationalisierung, Kunst und Kultur ganz abzuschaffen, und alles was unter die Rubrik Unterhaltung fällt, gänzlich Mario Barth und Dieter Bohlen zu überlassen?
Die installierte Revolution
Und was ist dann bitte mit Revolution gemeint? Sollen wir denn jetzt alle zukünftig nur noch in Adidasklamotten herumlaufen und Chiquitabananen essen, Herr Meese?? Ich hoffe, Ihre offensichtlich aufdringliche Schleichwerbung wird wenigstens gut bezahlt.
Nach dem, was ich feststellen kann, handelt es sich hier um eine inszenierte, auskoreografierte Farce, die sich durch nichts von CaughtinteheActBackstreetBoysBoystoMenTokioHotel und wie sie alle heißen unterscheidet, bei denen per Computerprogramm ausgerechnet wird, wie sich die Jungens auf der Bühne zu bewegen haben, damit möglichst viele junge Mädels in Ohnmacht fallen. Nur dass hier nicht die jungen Dinger gemeint sind, sondern die großen Geldgeber, die Global Players.
Fazit
Manch einer wird jetzt vielleicht annehmen, ich sei neidisch auf den gigantischen Erfolg dieses jungen Künstlers. Das mag vielleicht sein, aber ist ganz gewiss nicht der Grund, weswegen ich diese Zeilen hier schreibe. Es gibt nicht viele Menschen, die mich kennen und schätzen, aber die wenigen, die es tun, tun es wegen meinem ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, wie mir öfters mal in ruhigen Momenten gesagt wurde.
Und so kann ich dann, da ich die Herkunft und die Gesinnung des Meisters Meese denke ich, ganz gut einzschätzen weiss, alles in allem zusammenfassend sagen:
“Stell dir vor, es ist installierte Revolution, und keinen interiert’s”
Zu einem vollständigen Porträt des Gesamtkunstwerkes Meese, dieser ‘Ameise der Kunst’ der ARD gelangen Sie
>hier.<
Pingback: Gedanken zur Kunst | bleibejung
Na und so langsam geht mir ein Licht auf, was der gute Herr Meese eigentlich meinte. Ich glaube, er hat sich versprochen und wollte eigentlich sagen:
“Ich bin die Ausrede der Kunst, und das lasse ich mir auch nicht mehr ameisen!”
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