Marcel Duchamp, das Readymade und die Folgen

Marcel Duchamp: "der Flaschentrockner"
Marcel Duchamp: "der Flaschentrockner"

Selten hat eine Entdeckung eines bildenden Künstlers für so viel nachhaltiges Aufsehen gesorgt, wie das Readymade.

Selten wurde eine Errungenschaft von dieser Tragweite so oft fehlinterpretiert und missbraucht.

Für mich hat sich durch die Entdeckung des Readymades Folgendes geändert:

  • Der bildende Künstler heute muss nicht mehr so gut malen können wie etwa Raffael. Er kann dennoch ein großartiger Bildkünstler sein, und bedeutende Bildwerke liefern.
  • Worauf aber nicht verzichtet werden kann, ist das Sehen, arrangieren und in Szene setzen.
  • Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob er die einzelnen Elemente seines Bildwerkes selber gemacht hat oder nicht. Er hat es gesehen, und als mögliches Bestandteil eines Kunstwerkes identifizeirt, das ist das Entscheidende.


Kurz zu Einführung, um besser zu verstehen worauf ich mich im folgenden beziehe, habe ich hier ein schönes Radiofeature für Sie. Es ist von Deutschlandradio, und erklärt die Hintergründe der Entstehung des Readymades und dessen Erschaffer Marcel Duchamp wie ich meine auch für Aussenstehende sehr gut verständlich.

Zu dem Radiofeature in mp3 Format gelangen Sie >hier<

Ist dann jetzt plötzlich alles Kunst?

Kürzlich entstand eine Diskussion auf Werbeblogger.de. Es geht darum um einen Werbespot, indem ein (verhinderter) Künstler die Farbe auf die Leinwand scheißt, statt malt. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob das ‚Kunst oder Quark‘ sei.

Eine Kommentator verwies auf eine Aktion des italienischen Konzeptkünstlers Piero Manzoni ‚artist shit‘, der in den 60ern seinen eigenen Kot in Dosen und Briketts für den Preis von Gold verkaufte, und sich damit auf das Readymade von Marcel Duchamp bezog.

Zur vollständigen Diskussion darüber gelangen Sie >hier<
Man kann davon halten, was man will. Letztendendes wird man sich ja doch nicht darauf einigen können, was Kunst ist und was nicht. Für mich ist jedenfalls Kunst immer mit Ästhetik verbunden. Und es hat auch etwas Erotisches. Beides Eigenschaften, die Herr Manzonis Objekte nicht haben, was für mich schon mal ausschließt, daß es sich dabei, sowie bei dem Werbespot ebenfalls, um Kunst handelt.

Und um noch einmal auf das Readymade zurückzukommen: Marcel Duchamp, der ja nicht glaubte, dass seine Erkenntnisse in irgendeiner Weise für die Gesellschaft von Bedeutung sein könnten, hat für die nachfolgenden Generationen schier Unglaubliches geleistet. Dennoch würde ich nie soweit gehen, ihn als Freischein für jeden erdenklichen Blödsinn, sowie für die Befriedigung kommerzieller Gier zu missbrauchen.

Jeder ein Künstler?

Zumindest gehe ich davon aus, dass der Künstler als Beruf weiterhin ernst genommen werden möchte und ganz so einfach wird das dann doch nicht funktionieren. Von Joseph Beuys‘ Aussage, nachdem jeder ein Künstler sein soll, halte ich, wie in einem früheren Post schon gesagt, gar nichts. Zumal Beuys das selber revidiert hat, und wohl selbst am besten um die Härten des professionellen Künstlerdaseins Bescheid wusste.

Und so bleibt dem heute lebenden Künstler eigentlich nur, die Aussagen der vergangenen Meister so gut wie möglich zu studieren, kritisch zu hinterfragen, und sich selbst die Frage zu stellen: „Was hat das eigentlich mit mir zu tun?“

Scan to Donate Bitcoin
Like this? Donate Bitcoin to at:
Bitcoin 1LChCcZXgTF54TE33Zb6MuSDDPSY9b3jeD
Donate

Schreibe einen Kommentar