Am 21.4. 2009 war Gerd Harry Lybke, der Gründer der Eigen+Art Galerie/ Leipzig in Halle in der Burg Giebichenstein.
Anlass war eine Vortragsreihe über Kunst und Markt, das vom hochschulinternem “Transferzentrum” veranstaltet wurde.
Da ich sowieso einen Interviewtermin mit Herrn Lybke in der leipziger Galerie vereinbart hatte, dieser aber aufgrund von Zeitmangel seinerseits nicht zustande kam, habe ich die Gelegenheit genutzt, um die Fragen die ich ihm da stellen wollte im Rahmen dieses Vortrages zu fragen.
Aufgrund der Länge (der ganze Vortrag ging über 50 Min.) habe ich das ganze mit meinem Diktiergerät mitgeschnitten, und bringe es jetzt in 3 Teilen als Hördatei (je ca. 20 Minuten) heraus.
Weitere 2 Teile erscheinen dann in den folgenden zwei Wochen, also seid gespannt, was er zu berichten hat.
Wer ist Gerd Harry Lybke?
Kurz für alle, die nicht wissen, wer Gerd Harry Lybke ist: Nach einer gescheiterten Schaupielerkarriere und diversen anderen Jobs war er Aktmodell in der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Er hat da schon die Kunstfertigkeit der Aktzeichner und Maler bewundert.
Schließlich kam er auf die Idee, einige der entstandenen Arbeiten in seiner privaten Wohnung in Leipzig auszustellen. Damals in der DDR war das private Sammeln von Kunst natürlich nicht gern gesehen, und so waren diese Ausstellungen nur einem internen Kreis zugänglich. Zu den Stammbesuchern zählten diverse Herrn von der Saatsicherheit.
Nach der Wende dann war es offiziell erlaubt, und so eröffnete Gerd Lybke die Eigen+Art Galerie in der Leipziger ehemaligen Baumwollspinnerei. Zahlreiche Künstler, der berühmteste von ihnen Neo Rauch, bezogen in unmittelbarer Nachbarschaft ihr Atelier, und werden durch die Galerie bis heute vertreten.
Inzwischen genießt die Galerie weltweites ansehen, es gibt eine weitere in Berlin. Der Begriff ‘Leipziger neue Schule’ wurde maßgeblich durch die Galerie Eigen+Art geprägt.
Besonders positiv aufgefallen an Gerd Harry Lybke ist mir, bevor ich ihm überhaupt begegnet bin die Aussage die ich lass, dass es wohl verkannte Künstler gibt. Ich kenne nicht viele, die im Kunstmarkt erfolgreich sind, und das ohne weiteres zugeben. Die meisten sitzen auf dem hohen Roß, nach dem Motto. “Ich bin ja bekannt, also gibt es keine verkannten Künstler. Jeder, der nicht so bekannt ist, wie ich, ist dann halt keiner.”
Die zweite Sache: Er schickt jedes Jahr zu Weihnachten jedem seiner Künstler, die er vertritt einen Weihnachtsstollen. So als kleine Aufmerksamkeit, und als Dank dafür, dass er nicht vergessen hat, wem er eigentlich seinen Erfolg zu verdanken hat. Sowas habe ich noch nie erlebt. Normalerweise ist ein Künstler, der sich in einer Galerie bewirbt, so etwas wie ein Staubsaugerverkäufer, nur eine Stufe niedriger. Man schlägt ihm gerne mal, wenn er mit seiner Mappe so angelatscht kommt, die Tür vor der Nase zu.
In dem Ort, wo ich wohne, käme keiner der Galeristen, die ich kenne (und ich denke, ich kenne fast alle) im Traum auf die Idee, sich bei den Künstlern, die ihre Arbeiten bei ihnen Ausstellen auch noch zu bedanken.
Über die Arbeit von Galerien
In diesem Gespräch erzählt Gerd Lybke von seinen Anfängen als Galerist, und geht intensiv auf die Fragen der Studenten ein.
Da es sich bei vielen der Studenten um angehende Künstler handelt, findet der Vortag natürlich mit dem Hintergrund der Positionierung der eigenen Arbeiten am Markt statt, und viele der Fragen sind dementsprechend ausgerichtet.
Natürlich ist die Akustik nicht die allerbeste Studioqualität. Stellt euch einen Saal voller Menschen vor, vorne geht jemand auf und ab und beantwortet ohne Mikrophon Fragen. In der zweiten Reihe sitzt einer mit einem Diktiergerät, so klein, dass es kaum auffällt.
Stellt am besten die Lautsprecher auf volle Lautstärke, es rauscht dann zwar einen wenig, aber man kann dann alles verstehen.
Nun wünsche ich also viel Spaß beim hören, für Feedback steht unten das Kommentarfeld zur Verfügung.
[audio:http://bleibejung.de/wp-content/audio/01-lybke.mp3]



