Vortrag mit Gerd Harry Lybke -Teil 3.

Nun also hier der dritte Teil des Vortrages.

Die Zeit rennt weg, und es gibt noch so viele Fragen.

Wie ich aus anderen Quellen erfuhr, hat Gerd Harry Lybke, (nach einer rothaarigen Comicfigur auch ‚Judy‘ genannt), das Konzept der Gründung einer Produzentengalerie durch Künstler schon mehrmals erfolgreich durchgesetzt. Es ist wohl kein Zufall, dass er uns das hier ebenfalls empfiehlt.

Mittlerweile bekannte Künstler wie Matthias Weischer, Tilo Baumgärtel, Christoph Ruckhäberle, Tim Eitel und andere, sind auf diese Weise in etablierten Galerien wie der Eigen+Art gelandet und erzielen seitdem Rekordpreise.

Hier geht es zum Finale, viel Spaß beim Hören.

[audio:http://bleibejung.de/wp-content/audio/03-lybke.mp3]

Nach dem Vortrag, die menschliche Seite der Erfolgsgaleristen

Sind einige noch mit ‚Judy‘ Lybke in die Hochschulkneipe auf einen gemütlichen Plausch bei einem Bier. Dabei erfuhr ich noch einige grundlegende Dinge, die ich hier noch nachtragen möchte.

Ich erwähnte Herrn Lybke gegenüber, dass ich seine Aussage, die er in einem Kunstmagazin gemacht hat sehr schätze. Indem gab er zu, dass es wohl verkannte Künstler gäbe. Andere Künstlerpersönlichkeiten, die Erfolg in der Kunst haben, täten das nicht. Beispielsweise Jonathan Meese, die selbst ernannte ‚Ameise der Kunst‘ sagte einmal in einem Interview, das auf Youtube zu sehen ist:

„Kunst ist wie Roulette spielen. Entweder ich spiele es, oder nicht. Verkannte Künstler gibt es nicht. (Diejenigen, die nicht groß raus kommen, sind dann halt keine Künstler, sinngemäß).“

Darauf Judy Lybke: „Ich bin ja nicht erfolgreich…“

Finde ich gut, seine Einstellung. Denn von oben herunter, vom hohen Roß betrachtet kann der Künstler eigentlich die Probleme der Menschen gar nicht verstehen, und im Grunde in Brechts Sinne keine Kunst machen.

Zum anderen sagte er auch neben vielen Sachen zum Kunsterfolg auch Folgendes: „Du musst auch einplanen, was wird, wenn du kein Künstler wirst.“

Denn genau genommen, wer bestimmt denn, wer Künstler wird, und wer nicht? Doch nur zu einem geringen Teil der Künstler selbst, und noch viel weniger das Diplom, was er in der Tasche hat.

Viel eher jedoch die Leute, die ihn schätzen und fördern und auch das nötige Kleingeld dafür übrig haben.

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4 Gedanken zu “Vortrag mit Gerd Harry Lybke -Teil 3.

  1. Na ob das wirklich der Fall ist, oder das ’nur‘ graue Theorie bleibt, bleibt abzuwarten.

    Auf jeden Fall ist das, was er sagt, in der hallenser Kunstlandschaft, wo die meisten sich lieber auf staatliche Förderung verlassen, und dann rumjammern, wenn sie mal ausbleibt geradezu revolutionär.

    Ich hoffe wirklich, und tue mein bestes dafür, daß das wirklich ein Echo findet, und in die Tat umgesetzt wird.

  2. Na ja, Judy empfiehlt also, dass sich fünf bis zehn Leute, die sich sehr gut kennen, zusammenschließen. Jeder soll 2000 Euro im Jahr geben (die man als frischgebackener Absolvent natürlich locker auf der hohen Kante hat), um dann in einem kleinen Raum in billiger Gegend eine Produzentengalerie zu eröffnen, die von irgendwem geleitet wird, der bereit ist, für 1000 Euro im Monat seine Zeit dort abzusitzen.

    DAS IST QUATSCH!

    Fakt ist doch: zig Produzentengalerien scheitern, ohne Spuren zu hinterlassen. Kennt Ihr noch die Produzentengalerie Sammler in Leipzig? Die war nicht mal schlecht! Oder die Dresdner Produzentengalerie Mandy?

    Erfolgreiche Produzentengalerien sind die rare Ausnahme. Liga, Amerika und Diskus mögen gut funktioniert haben. Sie waren zur rechten Zeit am rechten Ort und hatten fähige Galeristen.

    Nehmt das b2 in Leipzig. Es hält sich seit Jahren mit Ach und Krach über Wasser. Es hatte erst den falschen Galeristen, hat nun einen, der besser passt. Aber wirklich zünden tut das Ding nicht, auch wenn man es ihm aus vollem Herzen wünschte.

    Eine Produzentengalerie sollte man nur eröffnen, wenn man sich seiner Sache einigermaßen sicher ist, also aus einer arroganten Situation heraus, nicht aus einer Notsituation heraus.

    Geht weiterhin den gestandenen Galeristen auf die Eier! Geht auch Judy auf die Nerven! Wenn Ihr gut seid, wird er sich überlegen müssen, ob er Euch in die Wüste schickt oder warm hält.

    Die Maerzgalerie Torsten Reiter, um zumindest noch einen weiteren Namen zu nennen, macht auch hervorragende Arbeit. Wenn Ihr dort in eine Sommerausstellung kommt, ist das mehr wert, als zwei Jahre Siechtum in einer für Euch kostspieligen Produzentengalerie im Wächterhaus.

    Natürlich könnt Ihr auch direkt versuchen, Euch auf die echten Zentren zu konzentrieren. Berlin, Paris, London New York? Da sind die Galeristen nicht selten risikofreudiger. Da werden die Dinge schnell heiß (und kühlen schnell wieder ab). In die Provinz zurückkehren kann man später immer.

    Mir ist z.B. rätselhaft, warum kein Leipziger Galerist Jana Gunstheimer vertritt und keiner Marc Fromm. Ihr habt sicherlich noch viel mehr gute Leute in Halle, aber ich komme da nicht so oft hin ;-)

    Nicht rätselhaft ist mir, warum Judy das Produzentengalerie-System so promotet wie in dem Vortrag. Zum einen erspart ihm das mühsame Aufbauarbeit. Er kann die Weischers, Schnells und Hambergs bequem abfischen. Zum anderen umgeht er so ein anderes unangenehmes Muster. Bei Künstlern, die gerade frisch aufgebaut wurden, gibt es den Impuls, dass sie sich noch weiterentwickeln wollen, etwas anderes ausprobieren wollen. Sie wechseln dann beispielsweise den Galeristen, der sie „entdeckt“ hat, das ist für den Galeristen gar nicht schön. Wer sich vorher in einer Produzentengalerie die Hörner abgestoßen hat, weiß dagegen die (außergewöhnliche!!!) Arbeit weit besser zu schätzen, die Judy und seine Frauen leisten.

  3. Naja, so wie ich das verstanden hab, formuliert Judy die Produzentengalerie als Bedingung, dass er sich überhaupt mit uns beschäftigt. Kann man ja irgendwie auch verstehen. Natürlich hat er keine Zeit, zu jedem einzelnen ins Atelier zu latschen. Ehrlich gesagt, wozu auch?, ich an seiner Stelle würde das vielleicht auch nicht machen.

    So gesehen ist Halle von der Kunstszene her gesehen echt im Dornrößchenschlaf, und das liegt nicht daran, dass kein Geld vorhanden ist. In die Kunststiftung und die Moritzburg werden Millionen versenkt, wovon in der Regel nichts übrig bleibt, also auch keine Kunst. Nein, es sind einfach die falschen Leute am Ruder. Solche, die von Kunst gar nichts verstehen, und über Fördergelder entscheiden.

    Judy zumindest mach das aufrichtig, er sagt: „Ich entscheide rein emotional, ohne Anspruch auf Kunst. Und natürlich tue ich da einigen Leuten unrecht.“ (Deswegen auch verkannte Künstler, die es natürlich gibt. Meese ist einfach nur dumm).

    Hier in Halle dagegen hat man sich den Heiligenschein aufgesetzt. „Das, was wir entscheiden, ist das Amen in der Kirche.“ . Über die Auswahlkriterien hält man sich absolut bedeckt, es wird sogar gelogen, es gäbe gar keine (hab ich alles hier schriftlich vorliegen). Und natürlich entscheidet die Seilschaft darüber, ob man gefördert wird, oder nicht. Wie soll es auch anders funktionieren?

    Da ist mir ein ehrlich gemeinter ‚harter Wettbewerb‘ lieber. Nur das hat Zukunft. Judy gibt ja keine Garantie ab, dass es funktioniert mit der Produzentengalerie. Es ist sogar wahrscheinlich, dass es den Bach runtergeht, angesichts der aktuellen Lage hier vor Ort, wo selbst Apotheken das gleiche Schicksal erleiden.

    Hingegen 100% sicher ist, dass es den Bach runtergeht, wenn man gar nichts tut, und wartet, bis einem die geratenen Tauben in den Mund fliegen. Das wird wohl eher nicht passieren.

    Inwieweit hast du mit der Kunstszene zu tun?

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