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Das Ende der Abbilder

Warum die Abbildung der äußeren Erscheinung in der bildenden Kunst an Bedeutung verliert.

1.Der Surrealist Max Ernst schildert seine erste Begegnung mit seinem langjährigen Freund Hans Arp:

„Arp lernte ich 1914 in Köln kennen, in der Kunstgalerie Feldmann, wo Werke von Cézanne, Derain, Braque, Picasso und anderen Malern der ,École de Paris‘ ausgestellt wurden. Ich bemerkte einen Mann in meinem Alter, dessen schönes, geistvolles Gesicht und dessen höfliche Manieren merkwürdig mit der Art Novität kontrastierten, der er sich hingab. Er bemühte sich ernsthaft, mit der Sanftmut eines Franziskaners und der Fähigkeit eines Voltaires, einem alten Dummkopf die Schönheiten der modernen Malerei zu erklären. Nachdem der alte Schwachkopf so getan hatte, als ließe er sich überzeugen, schäumte er vor Wut, als er einige Zeichnungen von Arp sah. Schreiend und wild gestikulierend erklärte er, dass er 72 Jahre alt sei und sein ganzes Leben sowie seine ganzen Anstrengungen der Malerei gewidmet habe, und wenn das nun das Resultat all seiner Bemühungen sei, wäre es besser … Seelenruhig legte ihm Arp nahe, es wäre besser, wenn er (der Schwachkopf) zum Himmel führe. Wir vernahmen noch einige Schreie des Alten, die sich – Verwünschungen ausstoßend – immer weiter entfernten. Als die Ruhe wieder hergestellt war, nahmen Arp und ich uns an der Hand und schlossen einen Freundschaftspakt.“

Das war wohlgemerkt in den 30er Jahren des 20 Jahrhunderts. Damals gab es schon Kant und die Aufklärung. Inzwischen haben wir zwei Weltkriege hinter uns, zwei Diktaturen. Totalitäre Regime haben wir überstanden, und die Mauer ist gefallen. Nun leben wir in einer freien und aufgeklärten Demokratie, sollte man meinen…

Uns so sollte es auch niemandem verdrießen, wenn ich im Folgenden mein Verständnis von Kunst zum Besten gebe:

Kunst ist…
…ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Kommunikati­on. Wenn wir auf Kunst/ Kultur verzichten, müssen wir in Kauf nehmen, dass die Menschen in ei­ner bestimmten Art und Weise nicht mehr mitein­ander kommunizieren.

Wie ist die Kunst erfunden worden?

Damals, als es unsere Sprache noch nicht gab, haben die einen Höh­lenmenschen den anderen kommuniziert, wie Löwen aussahen, oder Büffel, oder Mammuts. Was diese für Eigen­schaften und Dimen­sionen hatten und wo sie zu finden wa­ren, indem sie es ihren Art­genossen an die Felswände zeichne­ten.

Richtig, ich rede von den berühmten Höhlenmalereien, den bisher eindrucks­vollsten Kunstwerken, die die Menschheit je geschaffen hat.

Was kommunizieren die Maler heute?

Heute hat die Aufgabe, die äußere Erscheinung naturgetreu wieder­zugeben die  Photographie der Malerei weitestgehend abgenommen. Vorbei sind die Zeiten der Frührenaissance, als der holländische König seinen Hofmaler Van Eyk per Schiffescorte nach Spanien schickte, die Königstochter zu malen, um anhand des Bildnisses zu entscheiden, ob er sie heiraten wolle oder nicht.

Die heutigen Maler kommunizieren eher Dinge, die man oberflächlich nicht sieht, so etwas wie Seelenzustände.

Ich bezeichne moderne Malerei als Kartografie der Seele.

2. Sinn und Zweck der Kunst:

Ein Künstler ist nicht deswegen ein Künstler, weil er bunte Striche, Kleckse oder Karos auf eine Leinwand malt,oder weil er hirnlos auf einem Klavier herumhaut und es sich schon irgendwie ’strange‘ anhört.
Ein Künstler ist deswegen einer, weil er ’sieht‘. D.h. er nimmt Dinge in seiner Umgebung wahr, die den meisten verborgen bleiben, und dokumentiert diese.

Insofern schließt es sich aus:

  • Dass jeder Mensch ein Künstler ist: Zwar hätte jeder Mensch theoretisch die Anlage für diese Wahrnehmung, theoretisch!… Sowie auch jeder theoretisch die Anlage hätte, ein guter Arzt oder Anwalt zu werden. Aber ist denn jeder ein guter Arzt oder Anwalt?-, natürlich nicht, denn nicht jeder nimmt die Mühen des Lernens, die damit verbunden sind auf sich.
  • Wie ich an mehreren Stellen bereits hinwies, teile ich Picassos Meinung, daß es keine Abstrakte Malerei gibt. Malerei ist immer gegenständlich, auch wenn vordergründig der Gegenstand  der Malerei nicht immer gleich zu erkennen ist. Und wenn der Maler nur gelbe Karos malt, dann sind eben gelbe Karos der Gegenstand. Abstrakt kann zB.Musik sein, niemals Malerei.
  • Dass der Künstler bedeutungslos wird für die Probleme in der Gesellschaft halte ich für ausgeschlossen. Ich halte es mit Joseph Beuys, der gesagt hat: „Die Kunst ist nach meiner Meinung die einzige evolutionäre Kraft. Das heißt, nur aus der Kreativität des Menschen heraus können sich die Verhältnisse ändern.“

3. Fodern statt Fördern:

Neulich hörte ich auf einer Vernissage von einem Kunstverein, auf der eine Ausstellung mit neuen Mitgliedern eröffnet wurde folgende Worte von dem Vorstand:
„Wir müssen wider dahin gehen, Künstler zu fordern, statt der erniedrigenden Förderung. Der Staat, oder anderer Auftraggeber muß mit konkreten Problemen, wie zB dem Bildungsauftrag an die Künstler herantreten, und konkrete Lösungsansätze fordern. Dafür soll der Künstler seinen Lohn erhalten.“

Das finde ich eine sehr guten Ansatz. Tatsächlich ist noch kaum in dieser Richtung gedacht worden. Künstler können mehr als nur auf die Leinwand kleckern, und wer sich da überfordert fühlt, sollte sich fragen, ob er im richtigen Job ist.

Als Ausblick kann ich Ihnen anbieten Kunst, vor allem meine Arbeiten als Ergebnisse von kreativen Prozessen zu sehen, die so auch auf andere Gebiete angewendet werden könnten. Am Ende eines solchen Prozesses steht immer ein besonderes Ereignis, das manchmal Schönheit zur Folge hat, manchmal auch nicht. In jedem Falle jedoch ist das Ereignis sehr authentisch und Lebensnah. Es wird nicht gekünstelt, vertuscht oder verfälscht. Auch das sehe ich als einen Auftrag des Künstlers.

Und wenn Sie von einen Künstler einen Lösungsansatz fordern, dann verlangen sie nicht, dass sie am Ende einen Hasen, oder ein Katze auf seinem Bild sehen. Das sind keine Lösungsansätze für bestehende gesellschaftliche Probleme, sondern Abbilder, was ein Fotoapparat besser beherrscht.

Haben Sie vertrauen darin, dass künstlerische Kommunikation am Ende immer etwas positives bewirkt, auch wenn es am Anfang nicht danach Aussieht.

Im Folgenden werde ich über meine Erfahrungen mit der Kunstförderung, sowie neuen kreativen Lösungsansätzen wie einem hier auf ‚bleibejung.de‘ eingeführtem Shopsystem schreiben. Also bleiben Sie dran, und seinen Sie gespannt auf in Kürze erscheinende spannende Artikel.

1 Antwort auf „Das Ende der Abbilder“

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