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Kultur

Ist unsere Kultur noch zu retten?

„Die Welt ist furchtbar ungerecht,“ sagt Dieter Bohlen zu einem seiner Superstar Kandidaten, um ihm damit zu erklären, warum er nicht in die nächste Runde darf. „Jimi Hendrix ist tot, Janis Joplin ist tot, John Lennon ist tot, und Heino lebt.“

Guten Tag, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser. Ich schreibe Ihnen gerade aus einem der Kulturhauptstädte Mitteldeutschlands. Es ist die Stadt, in der Händel und Feininger geboren sind und gelebt haben. Eines der Städte mit den meisten frühgeschichtlichen Funden Mitteleuropas. Eine Stadt, die von den Bomben der Allierten im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont blieb und im alten Germanien eine Handelsmetropole war.

Hinter mir liegt ein anstrengendes Wochenende. Mit einem Theaterbesuch eines Stückes das platteste Unterhaltung bot, und gegen das jede Stefan Raab Sendung auf Pro 7 eine kulturelle Perle ist.

Und einem Rattenfänger/führer von Hameln/Hallen, dessen rhetorische (Ver-)führungskünste hier offenbar gebraucht werden, um zu erfahren, was an dieser Stadt sehenswert ist.

Nun möchte ich niemanden vorschreiben, was sie/er unter Kultur zu vertehen hat. Aber mal ’ne aufrichtig gemeinte Frage: Bei solch seichter Kost, die einem (für Geld) als Kultur verkauft wird, und sich durch nichts von Pro7 (das den Zuschauer deutlich weniger kostet) unterscheidet, müssen wir uns da wundern, daß es unserer Kultur schlecht geht, Theater vom ‚Aus‘ bedroht sind?

Wo sind die Zeiten Richard Wagners, als König Ludwig II der hohen Kunst in Bayreuth ein Festspielhaus baute? Oder die Goethes und Schillers, als die Künstler noch einen hohen Rang bekleideten und geachtet waren? Was ist aus der ‚Nation der Dichter und Denker‘ geworden?

„Kein Geld für Kleist, aber ein Industriepotential für den Schund von Madonna“, kommentierte Heiner Müller im Jahre 1992 die zunehmend brutale Kommerzialisierung des Kulturbetriebs. Die Unzulänglichkeit unserer Kultur ist unsere eigene ‚Unfähigkeit zu trauern‘.

„War das wirklich schon alles?,“ hörte man da unhörbar aus den lauten und doch stummen Reihen klatschender Zuschauer rufen. „Ist das unser uns zustehendes  Erbe, das unsere denkenden Vorfahren uns vermacht haben?“

Mit dem weisen Dieter Bohlen, der offenbar wie kein zweiter diese unsere sogenannte Kultur bis auf’s Mark (Medlock?) durchdrungen hat, und dieses gerne in seinen Sprüchen zum Besten gibt begann dieser Artikel. Mit ebendem Dieter Bohlen soll er enden: „Mach einem Bekloppten klar, daß er bekloppt ist.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete und erfolgreiche Woche.

3 Antworten auf „Ist unsere Kultur noch zu retten?“

Bohlen repräsentiert jene Milieus geistiger Ödnis, in denen es tatsächlich nicht als deplaziert empfunden wird, an einem seinesgleichen suchenden Ausnahmeartisten weniger seine atemberaubenden Choreographien am Trapez, sondern dessen Suspensorium einer eingehenderen Betrachtung für würdig zu erachten.
Und genau diese Milieus haben auch schon Medlock und TG zu „Superstars“ gemacht. RTL ist Deutschlands Prolo-Sender und Bohlen ist seine ideale Galionsfigur!

aus diesem Grunde müsste die Sendung auch nicht Deutschland sucht den Superstar lauten, sondern Bohlen sucht den Superstar.

Die einzige Lösung auf das Problem lautet: Stell dir vor, Bohlen sucht den Superstar (wozu? na zum beleidigen, das haben ihm die Gerichte ja jetzt erlaubt) und keiner geht hin. Würden die Kids das nicht bedienen, wäre DB ein niemand.

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