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Gesellschaft Kultur

Das beschädigte Parlament

Ein Gedicht von Volker Braun.

Vor der Abstimmung über den Einsatz in Kundus

Den man ungefähr kriegsähnlich nennt

Zeigte eine Fraktion Zettel her

Mit den Namen getöteter Zivilisten. Diese

Vorlauten, Wortlosen wurden

Aus dem Saal gewiesen, weil die Würde

Des Hohen Hauses schwer beschädigt sei

Ort verbaler, nicht plakativer Debatten. Aber

Sind denn die Namen der Toten

Plakativ, und kommen die Reden zum Leben?

Soll nur von Todähnlichen, ungefähr Toten

Gesprochen werden oder

Fürchtete man, daß die namentlich Genannten

Zählen, wie gültige Stimmen

Obwohl sie tot und erledigt sind?

Leider haben viel zu wenig Künstler und Intellektuelle den Mumm, sich zu aktuellen Tagespolitik zu äußern, Volker Braun ist einer dieser wenigen.

Das, was sich im Bundestag tagtäglich abspielt ist mittlerweile so absurd, daß es sich kaum noch in Worte oder Bilder fassen lässt.

Hut ab vor jedem Künstler, der/die sich dennoch daranwagt.

Denn Kriecher und Drückeberger können wir in der Kunstlandschaft absolut nicht gebrauchen.

Wer genau wissen will, wie sich die Szene genau abgespielt hat, hier das Video dazu:

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