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Warten??… auf Godot???

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Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ach ja.

(Samuel Beckett:“ Warten auf Godot“)

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wer ist eigentlich dieser mysteriöse Godot?

Wenn Du Dir einmal die Mühe machst, Becketts brilliantes Theaterstück aufmerksam zu lesen, dann wirst Du eines feststellen: Godot ist derjenige, auf den sich zu warten lohnt. Denn Godot ist der, mit dem wir unsere ganzen Porbleme nicht hätten, wenn er denn nur da wäre. Godot ist sozusagen der Erlöser. Der auf den die meisten warten. Godot ist der Messias, ein Phantom und Hirngespinst, nichts als eine Projektion.

Und so ist es dann auch kein Wunder, dass er am Ende des Stückes immer noch nicht gekommen ist.

Stattdessen aber kommt eine anderer, einer auf den eigentlich keiner wartet, der Tyrann und Egoist Pozzo, der seinen Diener Lucky wie einen Hund behandelt und mit einem Strick um seinen Hals herum zerrt.

Pozzo ruft: „Schwein, hüpfe auf einem Bein“, und Lucky hüpft auf einem Bein. Pozzo ruft: „Hole mir der Korb“, und Lucky holt den Korb. Pozzo ruft: „Bringe mir den Klappstuhl“, und Lucky bringt den Klappstuhl. Pozzo ruft: „Halt die Schnauze“, und Lucky hält die Schnauze, während Wladimir und Estragon, die stellvertretend für die grause Masse stehen, einfach zusehen.

Statt zu handeln, und gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen, verlieren sie sich in sinnlose Diskussionen. Und der Tyrann, der stellvertretend für alle Tyrannen dieser Welt steht,  kann seine Spielchen ungehindert weiter treiben.

Was Dir dieses Stück sagen will? Warte nicht, bis alle Deine Probleme gelöst  werden, handle. Denn die Uhr tickt unbarmherzig, und Dein Leben kann bald schon ein jähes Ende finden.

Tue, was immer Du Dir selbst vorgenommen hast, nicht was man Dir aufdrücken will, aber tue es bald, am besten jetzt gleich.

Und warte nicht auf Godot, denn der hat die Eigenschaft nicht zu kommen.

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